Laden unterwegs ermöglichen

Ob im Aussendienst, auf Geschäftsreisen oder zwischen Standorten: Das Laden unterwegs ist ein zentraler Bestandteil eines ganzheitlichen Ladekonzepts. Dieser Leitfaden unterstützt Unternehmen bei der Wahl passender Anbieter und einer effizienten Abrechnung.

Teilen auf
image

Unternehmen, die ihre Flotte auf Elektromobilität umstellen, integrieren, je nach Fahrprofil, auch allgemein zugängliche Lademöglichkeiten in das Mobilitätskonzept. Denn insbesondere Mitarbeitende im Aussendienst oder auf Geschäftsreisen benötigen zuverlässige Lademöglichkeiten entlang ihrer Routen.

Die Schweiz bietet dafür bereits heute eines der dichtesten öffentlichen Ladenetze Europas. Und der Markt entwickelt sich dynamisch: Unternehmen können aus einer Vielzahl an nationalen und internationalen Ladeserviceanbieter auswählen. Zudem gibt es verschiedene Angebotsmodelle, Preise und Abrechnungsmöglichkeiten.

Dieses Hilfsmittel unterstützt Unternehmen dabei, ihre Anforderungen an Ladeservices zu definieren, passende Ladeservice- und Abrechnungslösungen auszuwählen und das Laden unterwegs für Mitarbeitende einfach und effizient zu organisieren. Zudem zeigt es auf, wie Unternehmen Mitarbeitende gezielt auf das Laden unterwegs vorbereiten, typische Stolpersteine im Alltag vermeiden und unnötige Kosten – etwa durch Roaming – reduzieren.

image

1. Bedürfnisse klären

Unternehmen prüfen zunächst, welche Ladeinfrastruktur Mitarbeitende unterwegs benötigen. Ladezeiten, Nutzungshäufigkeit und bevorzugte Ladepunkte bilden die Basis für eine passende Lösung. Folgende Fragestellungen sollten Firmen zudem im Blick behalten:

Lademöglichkeiten unterwegs sind besonders relevant für Mitarbeitende, die regelmässig unterwegs sind – etwa im Aussendienst, während Einsätzen an verschiedenen Projektstandorten oder bei Fahrten zwischen Niederlassungen. Auch Fahrerinnen und Fahrer von Dienstwagen nutzen häufig Ladeinfrastruktur ausserhalb des Firmengeländes. Unkomplizierte und gut organisierte Lösungen für das Laden unterwegs erhöhen nicht nur die Akzeptanz der Elektromobilität im Unternehmen, sondern auch deren Alltagstauglichkeit.

Beim Laden unterwegs nutzen Fahrerinnen und Fahrer allgemein zugängliche Ladeinfrastruktur entlang ihrer Route. Beispielsweise Lade-Hubs an Verkehrsknotenpunkten oder Autobahnraststätten sowie Ladepunkte am Zielort, zum Beispiel auf Parkplätzen, in Parkhäusern oder bei Hotels und Einkaufszentren.

Je nach Standort und erwarteter Aufenthaltsdauer stehen Ladeangebote mit unterschiedlichen Leistungsstufen zur Verfügung: vom langsamen Laden mit bis zu 22 kW bis hin zu Ultraschnellladen (High Power Charging) mit bis zu 350 kW. Fahr mit dem Strom bietet dazu eine Übersicht über die verschiedenen Ladeleistungen und die dazugehörige Ladedauer.

Ladedauer

Die Ladedauer hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Gewünschte Strommenge: Je mehr Energie (kWh) geladen werden soll, desto länger dauert der Ladevorgang.

  • Verfügbare Ladeleistung: Die Leistung der Ladesäule bestimmt, wie schnell Strom ins Fahrzeug fliesst: AC-Laden (z. B. 11–22 kW) ist deutlich langsamer als DC-Schnellladen (50–150 kW) oder High Power Charging.

  • Eigenschaften des Fahrzeugs: Insbesondere die maximale Ladeleistung, der aktuelle Ladestand oder die Batterietemperatur bestimmen, wie schnell ein Fahrzeug laden kann.

Ladekosten

Die Ladekosten hängen nicht nur von der Ladeleistung und dem Tarif pro Kilowattstunde ab, sondern auch von zeitabhängigen Zusatzgebühren. So können sogenannte Blockier- oder Standzeitgebühren (oft auch Idle Fees genannt) anfallen, wenn ein Elektroauto nach abgeschlossenem Ladevorgang weiterhin an der Ladesäule steht und den Ladeplatz blockiert.

Es lohnt sich für Unternehmen zudem, mögliche Roaming-Gebühren im Blick zu behalten – insbesondere dann, wenn Mitarbeitende ausserhalb des eigenen Ladenetzes oder im Ausland laden.

2. Anbieter und Produkte sichten

Damit Mitarbeitende an allgemein zugänglichen Ladepunkten laden und bezahlen können, schliessen Unternehmen einen oder mehrere Verträge mit Ladeserviceanbieter (EMPs) ab. Diese ermöglichen das Laden per App, Ladekarte oder Token im jeweiligen Ladenetzwerk.

Verfügbare Produkte und Services

Mit einem Vertrag bei einem Ladeserviceanbieter erhalten Firmen via Roaming auch Zugang zu Ladesäulen anderer Ladenetze, meist zu abweichenden Tarifen. Alternativ ist Ad-hoc-Laden ohne Vertrag möglich. Die folgende Übersicht zeigt die verfügbaren Produkte und Services:

Ladeserviceanbieter stellen ihren Nutzerinnen und Nutzer Lade-Apps zur Verfügung, mit denen sie allgemein zugängliche Ladestationen einfach finden, nutzen und die Kosten abrechnen können. Die Apps zeigen Ladepunkte auf Karten oder Listen an, inklusive Preise und Ladeleistung. Die Daten lassen sich unter anderem nach Distanz, Ladeleistung oder Steckerart filtern.

Die Apps ermöglichen die Identifizierung der Nutzerinnen und Nutzer und die Zahlung an der Ladestation. Viele Anwendungen bieten darüber hinaus auch praktische Funktionen wie Routenplanung mit Ladepausen, Preisvergleiche oder Analyse- und Reporting-Funktionen. Sie sind zudem meist die Basis für Flottenlösungen von Flotten- oder Leasinganbieter.

Viele Elektrofahrzeuge sind heute direkt mit der Ladeinfrastruktur vernetzt. Über das integrierte Navigationssystem oder über Schnittstellen zu Mobiltelefonen werden nur jene Ladepunkte angezeigt, die zum jeweiligen Fahrzeug passen – etwa zur Steckerart, Ladeleistung oder Verfügbarkeit. Auf dem Fahrzeugdisplay erscheinen dieselben Informationen wie in Lade-Apps, zum Beispiel Preis, Ladeleistung und Belegungsstatus der Ladestation.

Um an allgemein zugänglichen Ladestationen Strom zu laden, brauchen Mitarbeitende meist eine Ladekarte oder einen Lade-Token. Beides funktioniert durch einen RFID-Chip: Mitarbeitende halten die Ladekarte oder den Token an das Lesegerät der Ladesäule. Das System identifiziert sie. Danach startet der Ladevorgang. Die Kosten werden dem hinterlegten Konto verrechnet. Eine Internetverbindung auf dem Handy ist dafür nicht nötig. Ladekarten haben die Form einer klassischen Plastikkarte, während Tokens als kleinere, handliche Variante – etwa für den Schlüsselbund – gedacht sind. Funktional gibt es keinen Unterschied.

Da viele Netzbetreiber eigene Ladekarten und Tarife anbieten, kann es für Mitarbeitende auf längeren Strecken notwendig sein, mehrere Karten oder Tokens mitzuführen. Auch die Zahl der allgemein zugänglichen Ladepunkte variiert je nach Anbieter deutlich. LadenPunkt empfiehlt Unternehmen daher, gemeinsam mit dem Flottenpartner zu prüfen, welche Lösungen den grössten Nutzen bringen, wie sich die Preise unterscheiden und klare Regeln für die Nutzung festzulegen.

Laden ohne App AutoCharge und Plug & Charge sind Verfahren zur automatisierten Authentifizierung an der Ladestation. Bei AutoCharge wird das Fahrzeug einmalig über die App oder Website des jeweiligen Anbieters registriert; künftige Ladevorgänge starten automatisch über die Fahrzeugkennung beim Einstecken des Ladekabels.

Plug & Charge basiert auf einem standardisierten Verfahren, bei dem Vertrags- und Fahrzeugdaten direkt im Fahrzeug gespeichert sind. Die Identifikation und Abrechnung erfolgen verschlüsselt über die Verbindung zwischen Fahrzeug und Ladestation.

Beide Verfahren ermöglichen einen Ladebeginn ohne Verwendung der App oder Ladekarte bzw. Tokens. Dies kann die Bedienung für Mitarbeitende vereinfachen und den Ladevorgang beschleunigen.

Neben den App- und Kartenlösungen ist, vor allem an Schnellladesäulen, häufig Ad-hoc-Laden möglich: Hier wird ohne vorherige Registrierung direkt an der Ladesäule mit Kredit- oder Debitkarte bezahlt. Manche Fahrzeuge erlauben zudem eine Zahlung direkt über das Fahrzeug, wenn ein Zahlungsmittel im System hinterlegt ist. In diesem Fall identifiziert sich das Fahrzeug automatisch am Ladepunkt.

3. Evaluieren und Auswählen

Für die Wahl einer passenden Lösung betrachten Firmen die Angebote am Markt ganzheitlich. Je nach Bedarf setzen sie auf spezialisierte Anbieter, integrierte Dienstleister mit Zugang zu öffentlichen Ladenetzen und Ladepunkten am Firmenstandort oder auf Modelle, die auch das Laden bei Mitarbeitenden zu Hause ermöglichen.

Zugangslösungen

Mit der Zugangslösung definiert ein Unternehmen, wie Mitarbeitende laden und welche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Die Lösungen unterscheiden sich in Komfort, Verfügbarkeit und Transparenz. Die folgende Übersicht hilft Unternehmen bei der Wahl einer passenden Lösung:

Vorteile

  • Zugang zu vielen Ladepunkten über ein zentrales System

  • Roaming-Möglichkeiten

  • Teilweise AutoCharge oder Plug & Charge möglich

Nachteile

  • Teilweise mehrere Apps oder Ladekarten erforderlich

  • Preisabweichungen beim Roaming

  • Registrierung erforderlich

  • Mobilfunk teilweise eingeschränkt (z. B. in Tiefgaragen)

Diese Zugangslösung ist oftmals mit einer App-Lösung kombinierbar.

Vorteile

  • Zugang zu vielen Ladepunkten über ein zentrales System

  • Roaming-Möglichkeiten

  • Funktioniert auch bei Mobilfunkproblemen

  • Schnell und robust

Nachteile

  • Keine Informationen zum Preis vor Ladebeginn

  • Verwaltungsaufwand für Ladekarten oder -Tokens

Vorteile

  • Einfach und spontan nutzbar

  • Keine Registrierung erforderlich

Nachteile

  • Eingeschränkte Kostentransparenz

  • Noch nicht flächendeckend möglich

Abrechnungslösungen

Die Abrechnungslösung regelt, wie Unternehmen Ladeprozesse erfassen und Kosten verrechnen. Ob über eine EMP-Flottenlösung, eine Firmenkreditkarte, Direktzahlung oder manuelle Erfassung – jede Variante bietet unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Eine EMP-Flottenlösung bündelt alle Ladevorgänge der Unternehmensfahrzeuge über einen E-Mobility Provider (EMP) in einem System. Mitarbeitende laden mit einer Ladekarte oder App und die Abrechnung läuft zentral über das Unternehmen.

Vorteile

  • Sammelabrechnung über ein Flottenkonto

  • Digitale Quittungen & Zuordnung zu Fahrzeugen

  • Häufig Bestandteil von Leasing- oder Mobilitätspaketen

Nachteile

  • Abhängigkeit von einem Anbieter

  • Preis- und Tarifmodelle sind teilweise komplex

Vorteile

  • Möglichkeit der Integration in bestehende Kreditkartenprozesse

  • Digitale Belege vereinfachen die Buchhaltung

Nachteile

  • Einzeltransaktionen müssen zugeordnet werden

  • Begrenzte Transparenz bei Roaming-Ladevorgängen

Vorteile

  • Vereinfacht Ad-hoc-Ladevorgänge

  • Keine zusätzliche Registrierung nötig

Nachteile

  • Keine Sammelrechnung

  • Eingeschränkte Nachvollziehbarkeit der Ladekosten

Vorteile

  • Nützlich für Ausnahmefälle

  • Keine Bindung an einen bestimmten Anbieter

Nachteile

  • Hoher Verwaltungsaufwand

  • Geringe Kontrolle und Transparenz

4. Mitarbeitende sensibilisieren

Je besser Mitarbeitende über das Laden unterwegs informiert sind, desto reibungsloser funktioniert der Einsatz von Elektrofahrzeugen im Alltag. Unternehmen, die gezielt informieren und unterstützen, erhöhen den Komfort und stärken die Akzeptanz der Elektromobilität.

Herausforderungen beim Laden unterwegs

Das Laden an öffentlich zugänglichen Ladepunkten ist heute vielerorts problemlos möglich. Dennoch können im Alltag Hürden auftreten. Unternehmen sollten diese kennen, um realistische Erwartungen zu schaffen, gezielt zu unterstützen und Frustration bei den Mitarbeitenden zu vermeiden.

  • Die Preisniveaus unterscheiden sich je nach Anbieter, Standort und Ladeleistung.

  • Je nach Zugang – über eine App, eine fahrzeugintegrierte Lösung oder direkt an der Ladesäule – können unterschiedliche Preise gelten, insbesondere beim Laden via Roaming über Drittanbieter.

  • Zusätzliche Kosten wie Blockiergebühren, die nach Ende des Ladevorgangs anfallen, sind nicht immer klar ersichtlich.

LadenPunkt empfiehlt Unternehmen und deren Mitarbeitenden, die Preise möglichst in der App oder im Fahrzeug vor Ladebeginn zu prüfen. Insbesondere bei Fahrten im Ausland oder bei Ladevorgängen im Netzwerk von unbekannten Anbietern.

Viele Flottenlösungen basieren auf Roaming – also dem Laden in Partnernetzen mit einer zentralen App oder Ladekarte. Das ist praktisch, kann aber zu Irritationen führen:

  • Preisabweichungen in unterschiedlichen Stromnetzen möglich

  • Technische Probleme wie Fehlermeldungen oder abgelehnte Ladevorgänge können vorkommen, da mehrere Systeme beteiligt sind.

  • Kundenservice-Anfragen landen beim Anbieter von Ladekarten (EMP), nicht beim Betreiber des Ladestandorts.

  • App-Zugang funktioniert nicht bei schlechtem Netzempfang (z. B. im Parkhaus).

  • Ladevorgang startet nicht aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen dem Fahrzeug und der Ladestation.

  • Steckertypen passen nicht: Moderne Schnellladepunkte sind meist mit CCS-Steckern ausgestattet, während ältere E-Fahrzeuge oft CHAdeMO-Stecker benötigen. Ist dieser Standard an der Station nicht vorhanden, können Mitarbeitende dort nicht laden.

  • Probleme mit Verriegelung und Entriegelung

Lösungen und hilfreiche Ansätze

Kombinierte Zugangslösungen bieten Vorteile: Ladekarten funktionieren meistens auch ohne Internetverbindung. Dazu kann eine App mit Live-Verfügbarkeitsanzeige und Filterfunktionen (z. B. nur CCS-Stecker anzeigen) helfen, passende Ladepunkte schneller zu finden. Dies erleichtert die Nutzung für Mitarbeitende.

  • Ladepunkte sind nicht verfügbar, etwa, weil sie durch andere Fahrzeuge zugeparkt sind oder weil die Ladesäule defekt ist (dies ist oft nicht im System oder in der App ersichtlich).

  • Zusätzlich zur Ladegebühr können Parkgebühren anfallen, z. B. in Innenstädten oder in Parkhäusern.

  • Allgemein zugängliche Ladepunkte lassen sich in der Regel nicht reservieren. Tipp: Bei Hotels oder Veranstaltern können sich Unternehmen über Lademöglichkeiten erkundigen und ggf. auch einen Ladepunkt reservieren.

  • Eine Navigation mit Ladeplanung ist nicht in allen Fahrzeugen integriert. Insbesondere bei älteren Modellen fehlt oft die automatische Routenplanung mit Ladeempfehlung. Tipp: In diesem Fall können Mitarbeitende Ladepunkte z. B. manuell über Lade-Apps finden.

Bei regelmässigen Reisezielen lohnt sich die Vorauswahl geeigneter Ladepunkte – idealerweise mit mehreren Alternativen. Zudem empfiehlt LadenPunkt Unternehmen, die Mitarbeitenden zu informieren, wer bei Störungsfällen oder Abrechnungsproblemen für den Support verantwortlich ist und Unterstützung bietet.

Weitere Handlungsoptionen für Unternehmen

Unternehmen können sich, je nach Zielsetzung und Gegebenheiten, an 3 weiteren zentralen Handlungsoptionen orientieren:

Flottenelektrifizierung angehen

Ein Fahrplan für Unternehmen

Wir beraten Sie kostenlos, unabhängig und herstellerneutral zu allen Fragen rund um das Laden Ihrer Unternehmensflotte.

LadenPunkt
Sprachen
Social
bundesbanner de
EnergieSchweiz