Ladeinfrastruktur im Unternehmen realisieren

Der Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur ist für Unternehmen ein zentraler Schritt auf dem Weg zur Elektromobilität. Dieser Leitfaden zeigt ihnen auf, wie sie eine bedarfsgerechte und intelligente Ladeinfrastruktur schrittweise aufbauen können.

Teilen auf
image

Vorteile

Mit dem Aufbau einer firmeneigenen Ladeinfrastruktur legt ein Unternehmen den Grundstein für die Elektrifizierung der eigenen Flotte. Gleichzeitig profitieren auch Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden von Lademöglichkeiten am Unternehmensstandort. Und nicht zuletzt führt eine eigene Ladeinfrastruktur dazu, dass Unternehmen ihren eigens produzierten Photovoltaik-Strom effizient nutzen können.

Schrittweises Vorgehen

Bevor ein Unternehmen den Prozess zum Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur startet, empfiehlt sich eine sorgfältige Analyse der Ausgangslage sowie die klare Definition der Ziele und der Strategie hinter diesem Vorhaben (mehr dazu auf der Seite «Unternehmen»). So gelingt der Aufbau einer Ladeninfrastruktur, die den tatsächlichen Bedürfnissen des Unternehmens entspricht.

Dieser Leitfaden unterstützt Unternehmen anschliessend bei der effektiven Planung und schrittweisen Umsetzung ihrer Ladeinfrastruktur. Er liefert praxisnahe Informationen, beantwortet die wichtigsten Fragen und ist in sieben Phasen strukturiert, die sich am SIA-Leistungsmodell (SIA-Ordnung 112) orientieren.

Bei Unternehmen mit mehreren Standorten können sich Eigentumsverhältnisse, Zugänglichkeit und relevante Zielgruppen pro Standort unterscheiden. In diesem Fall ist es empfehlenswert, den gesamten Prozess für jeden Standort separat durchzuführen.

image

Planung

In der Planungsphase legt das Unternehmen ein Betreibermodell fest. Anschliessend schätzt es den Ladebedarf und leitet daraus die Anzahl und die nötige Leistung der Ladepunkte für den Unternehmensstandort ab. Nach der Definition der technischen Schnittstellen lassen sich die Kosten für den Aufbau der Ladeinfrastruktur abschätzen und die Baupläne erstellen.

1. Strategie und Rollenaufteilung

Zu Beginn der Planungsphase setzt sich das Unternehmen mit strategischen Fragen zur Finanzierung und zum Betrieb der Ladeinfrastruktur sowie zur Rollenaufteilung während des Prozesses auseinander. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Ein Betreibermodell, das die Zielgruppen, die Finanzierung der Basisinfrastruktur und Ladestation sowie den Betrieb der Ladeinfrastruktur klärt • Eine klare Rollenaufteilung für die weiteren Projektphasen

In dieser Phase legt das Unternehmen die strategischen Grundlagen für den Ausbau seiner Ladeinfrastruktur. Zum einen legt es mit der Wahl des Betreibermodells fest, ob es die Basisinfrastruktur, die Ladestationen und den Betrieb selbst finanziert oder über einen Contractor bezieht. Zum anderen muss das Unternehmen die Frage der Zugänglichkeit der Ladeinfrastruktur klären. Je nach Zielgruppe und Unternehmensstrategie lassen sich Ladestationen ausschliesslich für die eigene Flotte (privat), zusätzlich für Mitarbeitende und Kundinnen und Kunden (halb-privat) oder allgemein zugänglich betreiben.

In dieser Phase klärt das Unternehmen zudem, ob sich Synergien mit anderen Unternehmen im Gebäude oder auf dem Areal nutzen lassen – etwa durch eine gemeinsame Planung, Kostenaufteilung oder den geteilten Betrieb.

Ein weiterer strategischer Entscheid betrifft die Skalierbarkeit der Ladeinfrastruktur. Dazu zählen Überlegungen zum Einsatz von Lastmanagementsystemen und zur möglichen Ergänzung durch DC-Schnelllader.

Detaillierte Hilfestellungen zu den erwähnten strategischen Entscheiden finden Unternehmen im Merkblatt «Betreibermodell und Ausbauvariante».

Ein Unternehmen kann sich in unterschiedlichem Umfang an der Realisierung der Ladeinfrastruktur beteiligen. Mit der Wahl eines Betreibermodells steuert es, wie viel Aufwand, Verantwortung und Investitionen es selbst tragen möchte. Zudem definiert es die Zuständigkeiten.

Das Betreibermodell legt fest:

  • Wer die Ladeinfrastruktur nutzen kann,

  • wer die Basisinfrastruktur finanziert,

  • wer die Ladestationen finanziert,

  • wer den Betrieb der Ladeinfrastruktur übernimmt und

  • zu welchen Konditionen Nutzerinnen und Nutzer laden.

Das Merkblatt «Betreibermodelle und Ausbauvarianten» unterstützt Unternehmen bei der Wahl eines passenden Betreibermodells für ihre Ladeinfrastruktur. Es gibt einen detaillierten Überblick über bewährte Modelle und zeigt Unternehmen auf, welches Betreibermodell am besten zu den eigenen, individuellen Bedürfnissen passt.

Basisinfrastruktur und Ladestationen

Eine Ladeinfrastruktur besteht aus zwei Komponenten, die aufeinander aufbauen: Basisinfrastruktur und Ladestationen. Die Basisinfrastruktur umfasst alle grundlegenden baulichen und technischen Voraussetzungen wie Netzanschluss, Leitungsführung, Verteilkabinen und das Lastmanagementsystem. Diese Elemente entsprechen den Ausbaustufen A bis C2 im Merkblatt «SIA 2060». Die Umsetzung der Basisinfrastruktur erfordert in der Regel bauliche Massnahmen an einer Immobilie. Die Ladestation hingegen umfasst lediglich die letzte Ausbaustufe D. Sie wird an die Basisinfrastruktur angeschlossen und ist das sichtbare Element, an dem Nutzerinnen und Nutzer ihr Fahrzeug laden.

Ergänzend zur Wahl des Betreibermodells klärt das Unternehmen in dieser Phase die Rollenaufteilung für die anschliessenden Projektphasen. Konzeptionelle und strategische Schritte in der Planungsphase kann das Unternehmen meist intern durchführen. Für die Umsetzung hingegen sind in der Regel externe Fachpersonen mit den erforderlichen elektrotechnischen Qualifikationen hinzuzuziehen.

Um die Prozesse und Koordination zum Aufbau der Ladeinfrastruktur möglichst effizient zu gestalten, kann es sich lohnen, über den gesamten Projektverlauf hinweg mit denselben externen Fachfirmen zusammenzuarbeiten.

2.1 Ladekonzept für den Unternehmensstandort

In dieser Phase schätzt das Unternehmen den Ladebedarf und die Dimensionierung der Ladeinfrastruktur pro Standort. Auf dieser Grundlage evaluiert es ein erstes Mal das gewählte Betreibermodell. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Ladebedarf, Dimensionierung und grobe Kostenschätzung pro Standort • Evaluation des Betreibermodells

Damit ein Unternehmen die Dimensionierung seiner Ladeinfrastruktur planen kann, ermittelt es für jeden Standort das Ladebedürfnis der Zielgruppen und schätzt ab, wie hoch der gesamte Ladebedarf sein wird. Für Unternehmen, die einen Fokus auf die Flottenelektrifizierung setzen, liefert das Vorgehen im Hilfsmittel «Flottenelektrifizierung angehen» bereits konkrete Hilfestellung zur Abschätzung des Ladebedarfs.

Zum Ladebedarf der eigenen Unternehmensflotte kann zusätzlich der Bedarf weiterer Zielgruppen hinzukommen. Je nach definierter Zugänglichkeit der Ladeinfrastruktur betrifft dies z. B. Mitarbeitende mit Privatfahrzeugen, Kundinnen und Kunden oder andere Besuchende.

Ladebedarf der Mitarbeitenden

Plant ein Unternehmen Lademöglichkeiten für Mitarbeitende am Unternehmensstandort, sollte es erheben, wie viele von ihnen mit dem Auto zur Arbeit pendeln und wie hoch der durchschnittliche Energiebedarf pro Tag ist. Der Energiebedarf in Kilowattstunden ergibt sich aus:

  • der Anzahl Fahrzeuge mit Ladebedarf

  • der Pendeldistanz

  • dem durchschnittlichen Verbrauch der Fahrzeuge

Ergänzend entwickelt das Unternehmen ein Zielbild, das langfristig von einer vollständigen Elektrifizierung der pendelnden Mitarbeitenden ausgeht. Dadurch stellt es sicher, dass es die Ladeinfrastruktur zukunftssicher dimensioniert.

Ladebedarf von Besuchenden und Kundschaft

Für weitere Zielgruppen wie Besuchende oder Kundinnen und Kunden gilt ein ähnliches Vorgehen: Das Unternehmen schätzt ab, wie hoch der Ladebedarf am jeweiligen Standort ist und in Zukunft sein wird. Die Erhebung ist jedoch von grösseren Unsicherheiten geprägt, da das Nutzungsverhalten variabler ist: Weder die Häufigkeit der Besuche noch der tatsächliche Energiebedarf pro Ladevorgang lassen sich zuverlässig vorhersagen. Hinzu kommt, dass die Aufenthaltszeiten kürzer und deutlich variabler sind als bei Mitarbeitenden.

Um dennoch eine realistische Grundlage zu erhalten, kann das Unternehmen die aktuelle Auslastung der Besuchsparkplätze analysieren und daraus ableiten, wie viele potenzielle Ladevorgänge pro Tag möglich sind. Die durchschnittlich benötigte Energie pro Tag in Kilowattstunden ergibt sich aus der Anzahl Ladevorgänge und der Ladedauer.

Gemäss den Empfehlungen «Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz» (SNBS) sollten Unternehmen mindestens 20% der Mitarbeitenden- und Besuchsparkplätze mit Ladeinfrastruktur ausrüsten.

Auf Basis der Bedarfsabschätzung definiert das Unternehmen nun den Zielzustand der zukünftigen Ladeinfrastruktur. Es richtet sich dabei an einem Zukunftsszenario aus, in dem sämtliche Fahrzeuge der relevanten Zielgruppen elektrisch unterwegs sind. So plant das Unternehmen die Basisinfrastruktur bereits heute mit Blick auf die Anforderungen der Zukunft und vermeidet dadurch kostspielige und zeitintensive Nachrüstungen.

Anzahl Ladepunkte und Ladeleistung definieren

In dieser Phase legt das Unternehmen zudem fest, wie viele Ladepunkte mit welcher Ladeleistung es zur Erreichung des Zielzustandes benötigt. Die Wahl der Ladeleistung pro Ladepunkt ist abhängig vom Fahrzeugtyp, den Einsatzprofilen und den Standzeiten der jeweiligen Fahrzeuge:

Fahrzeuge von Mitarbeitenden

Fahrzeuge von Mitarbeitenden stehen in der Regel länger am Unternehmensstandort. Bei längeren durchgehenden Standzeiten (>2 Stunden) genügen in der Regel Ladepunkte mit 11-22 kW AC-Ladeleistung.

Fahrzeuge von anderen Zielgruppen

Andere Zielgruppen wie Gäste, Kundschaft oder Dienstleistende parken meist nur kurz am Unternehmensstandort (max. 2 Stunden). Damit sie in dieser Zeit ausreichend Energie laden können, kann ein Unternehmen auch leistungsstärkere DC-Ladepunkte mit mehr als 22 kW installieren. Diese DC-Schnellladestationen mit höheren Ladeleistungen sind allerdings wesentlich kostenintensiver als AC-Ladestationen und müssen für einen wirtschaftlichen Betrieb stärker ausgelastet sein. Sie führen zudem zu höheren Lastspitzen, die unter Umständen eine kostspielige Erweiterung des Netzanschlusses erfordern.

Mit Hilfe des Ladebedarfs der Zielgruppen und der Standzeiten der Fahrzeuge berechnet das Unternehmen schliesslich die maximale Leistung, welche die Ladeinfrastruktur gleichzeitig bezieht. Auf dieser Grundlage dimensioniert es den Netzanschluss. Für diesen Schritt zieht das Unternehmen externe Fachpersonen hinzu – optimalerweise dieselbe Fachfirma, welche die Basisinfrastruktur erstellt.

Grobe Etappierung

Das Unternehmen erarbeitet zudem einen groben Etappierungsplan, der den schrittweisen Ausbau der Ladepunkte vom aktuellen Bedarf bis zum angestrebten Zielzustand definiert. Damit die Infrastruktur sinnvoll wächst und gut ausgelastet bleibt, prüft das Unternehmen regelmässig erneut, wie hoch der Ladebedarf der verschiedenen Zielgruppen ist. Mit diesem regelmässigen Monitoring erkennt es frühzeitig, wann zusätzliche Ladepunkte nötig werden, und kann die Ausbauetappen rechtzeitig anpassen.

Das Monitoring führt das Unternehmen in der Regel eigenständig durch. Für die Erweiterung der Ladeinfrastruktur beauftragt das Unternehmen – analog zum initialen Aufbau – externe Fachfirmen.

Im Rahmen einer ersten groben Kostenschätzung prüft das Unternehmen die Wirtschaftlichkeit des gewählten Betreibermodells. LadenPunkt ergänzt in den nächsten Wochen an dieser Stelle den Excel-basierten «Kostenrechner Ladeinfrastruktur für Unternehmen». Mit Hilfe des Rechners können Unternehmen die anfallenden Investitions- und Betriebskosten für jedes Betreibermodell berechnen. Auf Grundlage dieser Resultate evaluiert das Unternehmen das Betreibermodell und passt es gegebenenfalls an.

Sind die geschätzten Investitions- und Betriebskosten für das Unternehmen zu hoch, kann es die Dimensionierung der Ladeninfrastruktur für die jeweiligen Zielgruppen anpassen. Bei diesen Entscheidungen lohnt es sich jedoch, eine vorausschauende Perspektive einzunehmen: Ein unterdimensioniertes Angebot bei gleichzeitig wachsender Nachfrage kann sich negativ auf das Nutzungserlebnis von Mitarbeitenden, der Kundschaft sowie Besuchenden auswirken. Mit einem regelmässigen Monitoring des Bedarfs und der Auslastung der Ladeinfrastruktur können Unternehmen solche negativen Effekte vermeiden und den Ausbau entsprechend anpassen.

2.2 Technische Abklärungen

Auf Grundlage der Abschätzungen zum Bedarf der Zielgruppen und zur Dimensionierung der Ladeinfrastruktur kann das Unternehmen die technische Integration der Ladeinfrastruktur in das vorhandene Energiesystem am Standort prüfen. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Angaben zur benötigten Netzanschlussgrösse, Kostenschätzungen für allfällige Erweiterungen • Klarheit über die Integration der Ladeinfrastruktur in die bestehende Unterverteilung (Stromverteiler) sowie in die Energiesysteme (PV-Anlagen, Energiemanagementsysteme, ZEV)

Ein zentraler Schritt bei der Planung von Ladeinfrastruktur ist die Prüfung der vorhandenen Anschlussleistung am Unternehmensstandort. Dazu ermittelt das Unternehmen die Stärke des bestehenden Netzanschlusses und vergleicht diese mit den Anforderungen der geplanten Ladepunkte. Für die Dimensionierung der Anschlussgrösse können sich Unternehmen am Merkblatt «SIA 2060» orientieren.

Ist die vorhandene Anschlusskapazität zu knapp oder unzureichend, empfiehlt sich eine Aufzeichnung der heutigen Lastprofile, z. B. über Smart Meter oder temporäre Messgeräte. Diese Messungen helfen Unternehmen das tatsächliche Verbrauchsprofil besser einzuschätzen. Denn eine Erweiterung des Netzanschlusses ist kostspielig und zeitintensiv. Bevor Unternehmen diesen Schritt gehen, sollten sie prüfen, ob sich hohe Lastspitzen auch anders vermeiden lassen. Dafür bieten sich insbesondere folgende Möglichkeiten an:

  • Dynamisches Lastmanagementsystem: Das Unternehmen prüft mit Hilfe einer externen Fachfirma, ob ein dynamisches Lastmanagement die Leistungsspitzen ausreichend glätten kann. Das System verteilt die verfügbare elektrische Leistung dynamisch auf mehrere Ladepunkte und verhindert so Netzüberlastungen. Wer mehr als drei Ladepunkte plant, sollte ein dynamisches Lastmanagement generell in Betracht ziehen.

  • Stationäre Batterien: Für Unternehmen mit grossen Arealen oder hohen Ladeleistungen kann zudem der Einsatz von stationären Batterien sinnvoll sein. Diese speichern Energie zwischen und geben sie bei Bedarf wieder ab, um das Netz zu entlasten.

Reichen diese Massnahmen nicht aus und ergibt die Analyse, dass eine Verstärkung des Netzanschlusses erforderlich ist, muss das Unternehmen die dafür anfallenden Kosten beim Netzbetrieb anfragen und in die Kostenschätzung einbeziehen.

Zudem gilt es zu unterscheiden: Unternehmen mit moderatem Leistungsbedarf können meist beim Niederspannungsanschluss und damit im bestehenden System bleiben. Steigt der Energie- und Leistungsbedarf stark an, kann jedoch ein Wechsel auf Mittelspannung technisch und wirtschaftlich vorteilhaft sein. Unternehmen beziehen höhere Leistungen auf diesem Weg oft effizienter und teilweise kostengünstiger.

Die Erweiterung des Netzanschlusses ist typischerweise der zeitintensivste Schritt beim Aufbau von Ladeinfrastruktur. Unternehmen sollten deshalb zeitig abklären, ob eine Verstärkung notwendig ist, und dazu frühzeitig auf den lokalen Verteilnetzbetrieb zugehen. So kann es unnötige Verzögerungen bei der Realisierung vermeiden.

Unternehmen können für den Aufbau ihrer Ladeinfrastruktur aus verschiedenen technischen Lösungen wählen. Entscheidend ist dabei die Kompatibilität von Hard- und Software. Die Software sollte Funktionen wie Monitoring, Abrechnung und Lastmanagement zuverlässig abdecken und kompatibel mit bestehenden Energiesystemen und der Hardware der Ladeinfrastruktur sein.

In den nächsten Wochen ergänzt LadenPunkt an dieser Stelle das Merkblatt «Energiesysteme». Es zeigt Unternehmen auf, was sie bei der technischen Integration der Ladeinfrastruktur in das bestehende Energiesystem beachten müssen. Zudem gibt es einen Überblick über alle relevanten Komponenten und Schnittstellen eines Energiesystems und zeigt, wie Unternehmen bei der Integration einer Ladeinfrastruktur Synergien nutzen – etwa kostengünstiges Laden mit eigenem Solarstrom aus der PV-Anlage.

3. Projektierung

In der Phase der Projektierung lässt das Unternehmen die Baupläne erstellen und erarbeitet eine präzisere Kostenschätzung. Zudem legt es die Aufgabenteilung für die Umsetzung fest. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Bau- und Elektropläne je Standort • Detaillierte Kostenschätzung • Festgelegte Aufgabenteilung für die Umsetzung • Festgelegte Aufgabenteilung für das Bewilligungsverfahren

In dieser Phase hat das Unternehmen bereits alle technischen Abklärungen durchgeführt und definiert nun das Bauprojekt für den Unternehmensstandort. Es beauftragt Bau- und Elektropläne, die den Verlauf von Elektroleitungen und die Dimension von Leerrohren und Leitungen ausweisen. Für diesen Arbeitsschritt ziehen Unternehmen typischerweise Elektrofachpersonen bei.

Hindernisfreie Ladeinfrastruktur

Damit Ladepunkte am Unternehmensstandort für alle zugänglich sind, sollten Unternehmen ihre Ladestandorte so planen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität sie problemlos nutzen können. Orientierung bietet das Merkblatt «Rollstuhlgerechte Ladeplätze» der Fachstelle «Hindernisfreie Architektur». Es zeigt, wie Unternehmen Ladeplätze rollstuhlgerecht dimensionieren, anordnen und ausstatten.

Auf Basis der bis hierhin erarbeiteten Grundlagen erstellen Unternehmen eine detaillierte Kostenschätzung für die geplante Ladeinfrastruktur. Hilfestellung bietet der «Kostenrechner Ladeinfrastruktur für Unternehmen» im Modus «Advanced». Dieser wird durch LadenPunkt in den nächsten Wochen ergänzt. Der Rechner bietet Unternehmen die Möglichkeit, standortspezifische Angaben für die Realisierung anzupassen und damit eine genauere Schätzung der Investitions- und Betriebskosten zu errechnen.

Unternehmen müssen für den langfristigen Betrieb der Ladeinfrastruktur auch Reinvestitionen in die Kostenschätzung einbeziehen. Die Lebensdauer von Ladestationen beträgt rund acht Jahre. Die Basisinfrastruktur wiederum ist mit einer Lebensdauer von rund 40 Jahren langlebig und bleibt unabhängig von technologischen Weiterentwicklungen der Ladestationen nutzbar.

Förderprogramme

Einige Kantone und Gemeinden unterstützen den Ausbau der Basisinfrastruktur und/oder der Ladeinfrastruktur mit Förderprogrammen. Eine Übersicht dieser Programme ist über Energiefranken abrufbar. Je nach Aufgabenteilung kann das Unternehmen selbst ein Fördergesuch einreichen oder externe Fachfirmen damit beauftragen. LadenPunkt empfiehlt Unternehmen, die Förderbedingungen genau zu prüfen und bei der Umsetzung auf deren Einhaltung zu achten.

Im Rahmen der Projektierung prüfen Unternehmen, ob sie für den Aufbau ihrer Ladeinfrastruktur eine Baubewilligung benötigen. Dies ist je nach Kanton unterschiedlich geregelt. Die «Orientierungshilfe für Baubewilligungsverfahren von Ladestationen» zeigt auf, in welchen Fällen eine Bewilligung notwendig ist und wie ein typisches Verfahren abläuft.

Umfasst die geplante Ladeinfrastruktur grössere bauliche Massnahmen wie Trafostationen oder Batteriespeicher, so müssen Unternehmen zusätzliche Umwelt- und Brandschutzauflagen erfüllen. Plant ein Unternehmen zudem Mittelspannungsanlagen, ist eine Plangenehmigung durch die Schweizerische Aufsichts- und Kontrollbehörde für elektrische Anlagen (ESTI) erforderlich (gemäss Starkstromverordnung, Art. 16 ff.). In diesem Fall muss es das Projekt eng mit dem regionalen Energieversorger abstimmen. Da solche Verfahren mehrere Monate in Anspruch nehmen können, sind frühzeitig die nötigen Abklärungen durchzuführen.

Parallel dazu regelt das Unternehmen in dieser Phase die Zuständigkeiten für die Umsetzung. Es legt fest, welche internen oder externen Agierenden beispielsweise die Netzerschliessung, die Installation der Ladeinfrastruktur oder die Projektleitung übernehmen.

Umsetzung

In der Umsetzungsphase organisiert das Unternehmen die Beschaffung und setzt die geplante Ladeinfrastruktur baulich um. Anschliessend startet die Betriebsphase.

4. Beschaffung

Während dieser Phase beschafft das Unternehmen die definierten Leistungen und schliesst die entsprechenden Verträge mit Fachfirmen ab. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Zu beschaffende Leistungen und deren Anforderungen • Verträge mit externen Fachfirmen

Je nach gewähltem Betreibermodell und Rollenverteilung übernimmt das Unternehmen oder die beauftragte Fachfirma die Beschaffung der Komponenten, welche für die Realisierung und den Betrieb der Ladeinfrastruktur notwendig sind. Dazu gehören:

  • Ladestationen

  • Backend-Software für Zugang, Abrechnung sowie Nutzer-, Tarif- und Ladestationsverwaltung

  • Kommunikationsinfrastruktur (z. B LAN, OCPP-Anbindung)

  • Lastmanagementsystem, sofern erforderlich

  • Bauliche Elemente wie Fundamente, Kabelstrassen oder Beschilderungen

Bei vollständigem Eigenbetrieb trägt das Unternehmen die Verantwortung und beschafft sämtliche Leistungen. Für die Installation der Komponenten beauftragt es üblicherweise externe Elektroinstallationsfirmen.

Entscheidet sich das Unternehmen hingegen für ein Betriebscontracting, reduziert sich die Beschaffung auf die Ladestationen und die Basisinfrastruktur. Die Software, Abrechnungssysteme und den Support stellen Fachfirmen bereit. Die Installation führt in diesem Fall der Contractor durch und vermietet die Infrastruktur anschliessend an das Unternehmen. Bei der Beschaffung von Zugangs- und Abrechnungslösungen hilft das Werkzeug «Marktübersicht Zugangs- und Abrechnungslösungen für Ladeinfrastruktur» Unternehmen dabei, Kriterien für die Wahl einer passenden Lösung zu bestimmen und die Dienstleistungen zu vergleichen.

Unternehmen definieren in dieser Phase zudem, welche Anforderungen sie an die Resilienz der Ladeinfrastruktur stellen. Ist es beispielsweise für den Betrieb kritisch, Störungen innert kürzester Frist zu beheben, sollte das Unternehmen Support-Verträge mit entsprechenden Leistungen abschliessen.

Während des Beschaffungsprozesses können sich Unternehmen von externen Fachpersonen und Fachfirmen begleiten lassen. Diese unterstützen sowohl bei organisatorischen Prozessen als auch bei technischen Aspekten wie der Inbetriebnahme und der Konfiguration der Ladestationen.

Bei der Bewertung von Angeboten für Ladeinfrastruktur betrachten Unternehmen idealerweise nicht nur den Anschaffungspreis, sondern die Gesamtkosten über den Lebenszyklus hinweg. Diese umfassen neben den Anschaffungskosten auch Wartungs- und Servicekosten sowie Kosten für mögliche Abonnements für den Support.

Es empfiehlt sich für Unternehmen, bei Angeboten auf bereits erprobte Lösungen zu setzen und zu prüfen, ob das Unternehmen, welches die Ladeinfrastruktur anbietet, vertrauenswürdig ist und relevante Referenzen vorweisen kann. Bei der Auswahl einer Software ist darauf zu achten, dass sie zentrale Funktionen wie Monitoring, Abrechnung und Lastmanagement zuverlässig abdeckt und mit bestehenden Systemen und Ladestationshardware kompatibel ist. Auch Garantieleistungen für Hard- oder Software sollte ein Unternehmen prüfen. Gewählte Lösungen sollten darüber hinaus möglichst niederschwellige Erweiterungen der Ladeinfrastruktur ermöglichen. Mit dieser ganzheitlichen Betrachtung der Kriterien minimiert ein Unternehmen das Risiko von späteren Mehrkosten und Betriebsstörungen.

5. Realisierung

Auf Grundlage der Baupläne plant das Unternehmen die Ausführung. Für die Umsetzung beauftragt es üblicherweise externe Fachfirmen. Bei der Realisierung der ausgeschriebenen Ladestandorte sind zudem rechtliche und administrative Punkte zu beachten. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Ausführungsplanung je Liegenschaft, respektive Standort • Realisierte Ladeinfrastruktur gemäss den Pflichtenheften • Geprüfte Checkliste im Rahmen der Anlagenübergabe • Vollständige Dokumentation der Ladeinfrastruktur

Die Ausführungsplanung konkretisiert die während der Projektierung erarbeiteten Bau- und Elektropläne bis ins Detail. Sie umfasst unter anderem die genaue Leitungsführung, die Dimensionierung von Kabeln und Schutzorganen, die Platzierung der Verteil- und Steuerungseinheiten, die Fundament- und Grabarbeiten sowie die technische Einbindung von Lastmanagementsystemen und der Messinfrastruktur. Zudem definiert sie die Schnittstellen zu bestehenden Anlagen und umfasst einen detaillierten Zeit- und Bauablaufplan. Die Ausführungsplanung übernehmen in der Regel die beauftragten Elektrofachpersonen oder ein Generalunternehmen. Sie dienen anschliessend den ausführenden Fachfirmen als verbindliche Arbeitsgrundlage.

Das Unternehmen selbst übernimmt hierbei vor allem die Koordination, erteilt Freigaben und überprüft, ob die Planung den zuvor definierten Anforderungen entspricht.

Bei der Realisierung der Ladeinfrastruktur müssen Unternehmen einige obligatorische Formalitäten beachten. Installationen von Ladeeinrichtungen für die Elektromobilität sind gemäss den Werkvorschriften immer anzumelden.

Laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) braucht es dazu:

Diese Aufgaben übernehmen in der Regel die ausführenden Elektroinstallationsfirmen.

Bei der Übergabe der Anlage prüft das Unternehmen die fachgerechte Ausführung der Installation. Die Checkliste im Merkblatt «SIA 2060 – Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden» (Kap. 4 «Prüfungen») hilft Unternehmen dabei.

Dokumentation

Gemäss SIA 2060 sollte die Dokumentation der Ladeinfrastruktur folgende Aspekte enthalten:

  • Übersichtsplan, Lageplan

  • Elektroschaltplan

  • Produktbeschreibung (technische Dokumentation der Ladestationen)

  • Unterhaltsplan

  • Nachweisdokumente

  • Angaben zum technischen Support

  • Konformitätserklärungen

Die Dauer der Realisierung einer Ladeinfrastruktur hängt im Wesentlichen von folgenden Faktoren ab:

  • Anzahl der geplanten Ladepunkte und deren Ausbaustufen

  • Allfällige Erweiterung des Netzanschlusses am Unternehmensstandort

  • Verfügbarkeit von Expertinnen und Experten wie beispielsweise Elektrofachpersonen

  • Lieferzeiten der benötigten Komponenten

Muss das Unternehmen neben den Ladestationen auch die Basisinfrastruktur errichten, plant es in der Regel rund ein bis zwei Monate ein, bis die Ladeinfrastruktur betriebsbereit ist. Die genaue Dauer hängt dabei stark von den Anforderungen an die Basisinfrastruktur ab, weshalb das Unternehmen diese frühzeitig mit Fachpersonen abklären sollte.

Ist die Basisinfrastruktur bereits vorhanden und ausreichend dimensioniert (Ausbaustufe A bis C2), kann das Unternehmen die Ladeinfrastruktur meist innerhalb von zwei bis vier Wochen um einen oder mehrere zusätzliche Ladepunkte erweitern.

6. Betrieb

Ein zuverlässiger und effizienter Betrieb der Ladeinfrastruktur erfordert regelmässige Wartungs- und Supportleistungen. Darüber hinaus überwacht das Unternehmen den Betrieb kontinuierlich, um frühzeitig Optimierungspotenziale zu identifizieren. Nach Abschluss dieser Phase liegen folgende Ergebnisse vor: • Realisierte Ladestandorte, die gemäss Betreibermodell bewirtschaftet werden • Tarif- und Abrechnungssysteme für Zielgruppen (inkl. allfälliger Einkünfte) • Monitoringkonzept zur frühzeitigen Erkennung von Ausbau- und Optimierungsbedarf

Der Wartungsaufwand hängt stark von der Art der Ladeinfrastruktur ab. AC-Ladestationen sind in der Regel nahezu wartungsfrei, während DC-Ladestationen regelmässige Kontrollen und den Austausch von Verschleissteilen wie Filtern benötigen.

Der Betrieb wird – entsprechend den während der Beschaffung definierten Leistungen – durch externe Supportleistungen unterstützt. Diese können Fernwartung, Vor-Ort-Einsätze sowie verbindliche Reaktionszeiten umfassen. Eine klare Vereinbarung zu Reaktionszeiten und Ersatzteilverfügbarkeit ist entscheidend, um Ausfallzeiten zu minimieren und den Betrieb zuverlässig sicherzustellen.

Ein kontinuierliches Monitoring erkennt frühzeitig den Ausbaubedarf und das Optimierungspotenzial einer Ladeinfrastruktur. Unternehmen können dazu wichtige Kennzahlen messen:

  • den Energieverbrauch

  • die durchschnittliche Ladedauer

  • die Anzahl der Ladevorgänge

Ein Monitoring erlaubt es dem Unternehmen zudem, Prozesse auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse anzupassen.

Auch eine regelmässige Überprüfung der Ladeplanung unterstützt Unternehmen dabei, die Ladeinfrastruktur optimal auszulasten und bestimmte Zielgruppen – wie die eigene Flotte – gezielt zu priorisieren. Dazu analysiert das Unternehmen, wie Fahrzeuge auf die verschiedenen Ladepunkte verteilt sind, und passt die Nutzung bei Bedarf an. Um Engpässe zu vermeiden, kann es beispielsweise ein Reservationssystem einführen. Je nach Bedarf etabliert das Unternehmen dafür eigene Prozesse oder setzt geeignete Softwarelösungen externer Fachfirmen ein.

Ebenso wichtig ist die Erfassung von Störungen und deren Behebungszeiten, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. Darüber hinaus sollte regelmässig geprüft werden, ob die allfällige Refinanzierung wie geplant verläuft. Hierfür werden die Nutzung und die erzielten Einnahmen ausgewertet.

Ein strukturiertes Monitoring schafft Transparenz und ermöglicht es dem Unternehmen, die eigene Ladeinfrastruktur auf einer soliden Entscheidungsgrundlage weiterzuentwickeln.

Weitere Handlungsoptionen für Unternehmen

Unternehmen können sich, je nach Zielsetzung und Gegebenheiten, an 3 weiteren zentralen Handlungsoptionen orientieren:

Flottenelektrifizierung angehen

Ein Fahrplan für Unternehmen

Zur Übersichtsseite «Unternehmen»

‎‎

Herausgegeben von Bundesamt für Energie (BFE), EnergieSchweiz

Veröffentlicht Januar 2026

Wir beraten Sie kostenlos, unabhängig und herstellerneutral zum Aufbau Ihrer betrieblichen Ladeinfrastruktur.

LadenPunkt
Sprachen
Social
bundesbanner de
EnergieSchweiz